Kraftakt Energiewende

Chancen und Risiken der Transformation

Im Wintersemester 2012/13 organisierten wir zusammen mit dem IIRM der Universität Leipzig und dem DRIEE e.V. eine Vortragsreihe zum Thema „Kraftakt Energiewende – Chancen und Risiken der Transformation“. Alle zwei Wochen Dienstags fand hierzu ein Vortrag im Hörsaal 2 des Campus Augustusplatz statt, jeweils um 19 Uhr. Die Veranstaltungen fanden reges Interesse, sowohl bei Studenten, als auch der breiten Öffentlichkeit.

Unter den obigen Reitern findet Ihr eine kurze Zusammenfassung dieser Vorträge:

1. Vortrag: Klimawandel und Ressourcenverknappung: Können/Sollen wir uns die Energiewende leisten? (Prof. Dr. Thomas Bruckner)
2. Vortrag: Peak Oil und nationale Aspekte (Jörn Schwarz)
3. Vortrag: EEG-Umlage 2013: Wie’s mit den Kosten weitergeht (Werner Bohnenschäfer)
4. Vortrag: Hat der CO2-Handel noch Zukunft? (Steffen Löbner)
5. Vortrag: Zukunft der Photovoltaic – In Mitteldeutschland und weltweit (Christian Breyer)
6. Vortrag: Netzausbau im Spannungsfeld zwischen Notwendigkeit und Bürgerbeteiligung (Wolfgang Neldner)
7. Vortrag: Herausforderung Elektromobilität (Prof. Dr. Helmut Schramm)

Informationen zu den Initiatoren:

Das Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement (IIRM) der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig verfolgt einen in der Region Mitteldeutschland bisher einzigartigen integrierten Ansatz, der alle Aspekte eines nachhaltigen Ressourcenmanagements (Energie/Wasser/Fläche/Abfall) gleichermaßen umfasst und so eine Brückenfunktion zwischen den umweltwissenschaftlichen Forschungsinstitutionen der Region und den umweltpolitischen bzw. energiewirtschaftlichen Entscheidungsträgern wahrnimmt. Das IIRM versteht sich als Ansprechpartner für alle, die auf betrieblicher, kommunaler, nationaler und internationaler Ebene anwendungsorientierte und umsetzbare Lösungen für integrierte Infrastruktursysteme suchen.

Das Deutsch-Russische Institut für Energiepolitik und Energiewirtschaft e.V. (DRIEE) wurde im Februar 2007 gegründet und hat seinen Sitz in Leipzig. Die Ziele des Instituts sind die Förderung und Pflege von Forschung und Lehre in den Bereichen der nationalen und internationalen Energiepolitik und Energiewirtschaft, insbesondere auch der wissenschaftlichen und praktischen Ausbildung des akademischen Nachwuchs.

Informationen zum AEL e.V.

Das Plakat zur Vortragsreihe:
Plakat Kraftakt Energiewende

„Klimawandel und Ressourcenverknappung:
Können/Sollen wir uns die Energiewende leisten?“

vom 16.10.2012

Prof. Dr. Thomas Bruckner – Universität Leipzig, IIRM

Prof. Dr. Bruckner

Spätestens seit dem rot-grünen Atomausstieg und der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wird die Energieversorgung in Deutschland umgebaut. Inzwischen liefern die Erneuerbaren Energien mehr als 20 % des Stroms in Deutschland und auch weltweit wird mit verschiedensten Projekten die „Grüne Revolution“ eingeläutet. Gleichzeitig werden beim Blick auf die Stromrechnung die finanziellen Konsequenzen für jeden Einzelnen ersichtlich, die die Energiewende mit sich bringt. Der Vortrag von Prof. Dr. Thomas Bruckner widmete sich der Frage, inwiefern sich die Energiewende noch rechnet.

Zur Einführung wurde nochmals darauf hingewiesen, dass aus wissenschaftlicher Sicht der Klimawandel stattfindet. Wichtige Indikatoren wie Temperatur, Meeresspiegel, arktische Eisschmelze und Zunahme von Wetterextremen sind Zeugen dieser Veränderung. Und der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, weitläufig bekannt als Weltklimarat), an dem auch Herr Bruckner beteiligt ist, sagt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die zukünftigen Klimaschäden (Ernteausfälle, Hitzetode, Überschwemmungen etc.) unsere bisherigen Erwartungen übertreffen werden, wenn wir nicht gegensteuern.

Vor diesem Hintergrund einigte sich ein Großteil der Weltgemeinschaft 2010 in Cancun darauf, die globale Erwärmung um nicht mehr als 2° gegenüber dem vorindustriellen Niveau (um 1900) ansteigen zu lassen. Damit verbunden sind Emissionsreduktionsziele von 50-80% bis ins Jahr 2050.

Um diesen Zielen gerecht zu werden, der Verknappung fossiler Ressourcen entgegenzutreten und den Atomausstieg zu bewältigen, wurde in der Bundesrepublik Deutschland die Energiewende in Gang gesetzt. Neben dem europaweiten Emissionshandel wurde hierzulande das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) eingeführt, welches Technologien zur Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen gezielt fördert. Prof. Dr. Bruckner zeigte dabei anhand ökonomischer Modelle, dass beide Instrumente (CO2-Handel und EEG) notwendig sind eine kostenoptimale Strategie zu finden und gleichzeitig Lernkurveneffekte zu nutzen.

Das EEG erwies sich weltweit als Exportschlager, viele Länder führten vergleichbare „feed-in-tariffs“ ein. Dadurch übersteigen mittlerweile z.B. die chinesischen Investitionen in Erneuerbare Energien mit ca. 51 Mrd. $ die Deutschlands mit ca. 37 Mrd. $ und weltweit erfolgt bereits fast die Hälfte (~ 40%) des Zubaus an Kraftwerken aus regenerativen Quellen.

In diesem Zusammenhang sollten wir uns die Energiewende leisten, auch wenn kurzfristig hohe Belastungen durch das EEG die Zustimmung der Bevölkerung belasten. Langfristig werden die positiven Effekte durch die Verminderung des Klimawandels die hohen anfänglichen Kosten mehr als kompensieren.

Prof. Dr. Thomas Bruckner hat die Vattenfall Europe Professur für Energiemanagement und Nachhaltigkeit an der Universität Leipzig inne und war langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Außerdem ist er Mitglied des IPCC und war hier u.a. Lead-Author des Special Report on Renewable Energy Sources (SRREN).

„Peak Oil und nationale Aspekte“

vom 30.10.2012

Jörn Schwarz – ASPO Deutschland e.V.

Jörn Schwarz und Mario Götz

Die Energie- und Rohstoffversorgung der Zukunft ist eine zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Global steigt der Energiebedarf, wichtige Ressourcen verknappen und verteuern sich, gleichzeitig wird das Ende des Ölzeitalters absehbar. Als ausgewiesener Experte zum Thema Peak Oil ging Jörn Schwarz nicht nur auf den Zeitpunkt, sondern auch auf die internationalen und nationalen Implikationen einer sich verknappenden Erdölversorgung ein.

Einführend wurde auf die grundlegende Bedeutung von Energie für die menschliche Entwicklung hingewiesen, ob in Form von Nahrung, als Heizmittel, für schnelle Fortbewegung oder zur Erzeugung von Strom. Dabei zeigte Herr Schwarz, dass es einen eindeutigen Zusammenhang gibt zwischen dem Anstieg der Weltbevölkerung und dem steigenden Energiebedarf der Menschheit. Mit der Nutzung der Energierohstoffe Kohle und später Erdöl und Erdgas begann seit dem 18. Jahrhundert ein exponentielles Wachstum der Bevölkerung, welches bis heute anhält.

Als Primärenergieträger spielt Erdöl heute die größte Rolle, mit einem Anteil von etwa 32%, gefolgt von Kohle mit ca. 27% und Erdgas mit 21%. Dabei gehen über 50% des geförderten Erdöls in den Verkehrssektor und die weltweite Nahrungsmittelversorgung (Anbau, Transport, Verarbeitung etc.) ist gar zu 90% von ihm abhängig. Mit steigender Bevölkerung und dem Wachstum des Wohlstands in der Welt steigt deshalb der Bedarf an diesem Rohstoff kontinuierlich an.

Gleichzeitig nähern wir uns einem Punkt, an dem die Fördermenge mit dem wachsenden Bedarf nicht mehr schritthalten kann, dieser Zeitpunkt wird gemein hin als Peak Oil bezeichnet. Bereits in den 70er Jahren erreichten viele der wichtigen Förderländer (wie USA, Großbritannien oder Norwegen) ihren Förderhöhepunkt, was damals zu den beiden Ölkrisen führte.

Die ASPO geht in ihren Berechnungen davon aus, dass es etwa seit 2007 bereits ein Absinken der internationalen Fördermengen gibt, dass nur durch die Erschließung neuer Methoden aufgefangen wird. Genaue Prognosen sind hier jedoch schwer zu recherchieren, da Organisationen wie die International Energy Agency (IEA) in ihren jährlichen Berichten (World Energy Outlook – WEO) immer wieder die Gesamtzahlen zu den weltweiten Reserven korrigiert. Zudem finden sich kaum verbale Erläuterungen zu den betreffenden Grafiken, die z.B. nocht nicht entwickelte und zukünftige Felder enthalten. Herr Schwarz verwies aber auf ein Interview mit dem Direktor der IEA Nobuo Tanaka aus dem Jahr 2009, wo dieser zugab ein Engpass bei der Erölversorgung könne bald (bis Mitte dieses Jahrzehnts) eintreten. In diesem Zusammenhang hat die Industrie und die Politik den Peak bereits akzeptiert, scheut aber davor zurück ihn auch zu kommunizieren.

Dieser Peak, also das Aufeinandertreffen einer steigenden Nachfrage und eines Fördermaximums, dass dieser nicht mehr gerecht werden kann, ist wohl nicht nur für Öl in naher Zukunft erreicht. Auch bei Erdgas und Kohle könnte das Förderwachstum laut ASPO ab 2020 absinken. Daraus würde eine Mangelversorgung mit Energie im Zeitraum 2020-2040 resultieren, den regenerative Technologien so schnell gar nicht zu schließen in der Lage sind. Mit dieser Verknappung einher ginge eine Verfünffachung der Preise für die Rohstoffe und ihrer Erzeugnisse. Die Hauptprobleme entstünden dann global in den Bereichen Verkehr, Landwirtschaft, Bau, Chemie und Wärmeversorgung, was militärischen Handlungen Vorschub leisten könnte.

Für eine rechtzeitige Lösung dieser Probleme ist eine nachhaltige Transformation notwendig, welche den Umbau der Energiesysteme umfasst. Vor allem in den Bereichen erneuerbarer Stromerzeugung, der Kraft-Wärme/Kälte-Kopplung und E-Mobilität. Neue Fördermethoden und das Ausbeuten der letzten Reste aus den Feldern könnte hingegen nicht den steigenden Bedarf ausgleichen, die Investitionen (in Form von Energie) überstiegen schnell den Ertrag.

Nach der persönlichen Einschätzung von Herrn Schwarz kann dieser Anpassungsprozess in Deutschland gelingen, angesichts der Bemühungen für regenerative Stromerzeugung, Kraft-Wärme-Kopplung und Wärmedämmung. Jedoch muss die Politik hier einen klaren Weg vorgeben und die Zuständigkeiten regeln, was den Ruf nach einem Energieministerium lauter werden lässt.

Jörn Schwarz ist Vorsitzender der Association for the Study of Peak Oil and Gas (ASPO) in Deutschland. Als Ingenieur im Bereich Wärme- und Kältetechnik ist er u.a. beratend für das Bundesumweltministerium tätig.

„EEG-Umlage 2013: Wie’s mit den Kosten weitergeht“

vom 27.11.2012

Werner Bohnenschäfer – IE Leipzig

Werner Bohnenschäfer

Zu Beginn seines Vortrags beschrieb Herr Bohnenschäfer das Leipziger Institut für Energie (IE): Wissenschaftler aus den verschiedensten Fachrichtungen, von der Geographie über Energietechnik, bis hin zu Ingenieurwesen, forschen zu praxisorientierten Lösungen entlang der gesamten energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Dabei entstand z.B. die Jahresprognose 2012 zur deutschen Stromerzeugung, Analysen zu regionalen Entwicklungen in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg und aktuell der Monitoringbericht zur Windenergie.

Prognosen zu Entwicklungen in der Energiewirtschaft müssen die langfristige Perspektive aus der Politik erkennen, um tragfähige Energieszenarien zu entwickeln. So war z.B. mit der Liberalisierung des Strommarkts beabsichtigt, günstige und wettbewerbsfähige Strompreise zu erreichen. Die erzielten Senkungen wurden jedoch durch staatliche Eingriffe wieder aufgezehrt.

Neben der Stromsteuer vor allem durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), welches regenerative Energietechnologien im Markt etablieren soll. Das Problem besteht nun darin, dass dieses Instrument viel besser funktioniert als gedacht. Nach Einschätzung von Herrn Bohnenschäfer werden wir das für 2030 gesteckte Ziel von 50% Erneuerbaren Energien im Stromsektor wahrscheinlich bereits 2020 erreichen.

Vor allem die Ausbauraten bei Photovoltaik und Windenergie haben die Vorhersagen weit übertroffen, was zu der aktuellen EEG-Umlage von 5,3 €ct/kWh geführt hat und nun die Akzeptanz in der Bevölkerung gefährdet. Das IE Leipzig geht in seinen Prognosen davon aus, dass die EEG-Umlage bis zum Jahr 2020 weiter moderat ansteigt, auf dann etwa 7 €ct/kWh. Was in einem durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 31,3 €ct/kWh im Jahr 2020 resultiert. Und erst gegen 2030/2035 ist nach Einschätzung von Herrn Bohnenschäfer mit einer sinkenden EEG-Umlage zu rechnen.

Dem Gegenüber stellt sich die energieintensive Industrie (>50 GWh), als (Energie-)“Wendegewinner“ dar. Deren Strompreis stagniert voraussichtlich über den gesamten Zeitraum bis 2020 auf dem aktuellen Niveau von 7 bis 7,6 €ct/kWh und bleibt damit auch im EU-Vergleich weiter auf einem sehr günstigen Niveau.

Können wir uns diese Energiewende dann noch leisten? Herr Bohnenschäfer schloss mit der Aussage, dass es an dem dafür nötigem Geld bei Unternehmen und Haushalten im Durchschnitt nicht mangelt. Es stellt sich nur die Frage, auf was wir zu verzichten bereit sind für mehr Energieunabhängigkeit und Klimaschutz, z.B. etwa 150 € weniger im jährlichen Urlaubs-Budget?

Werner Bohnenschäfer ist Geschäftsführer des Leipziger Instituts für Energie GmbH (IE Leipzig). Im Auftrag der deutschen Übertragungsnetzbetreiber ist das IE Leipzig maßgeblich an der Berechnung der EEG-Umlage beteiligt.

„Hat der CO2-Handel noch Zukunft?“

vom 04.12.2012

Steffen Löbner – EEX AG

Steffen Löbner

Einleitend beschrieb Herr Löbner die Aufgaben der EEX in Leipzig. Sie ist in erster Linie Handelsplatz für Strom in den Ländern Deutschland, Frankreich, Österreich und Schweiz. Darüber hinaus werden auch die Energieträger Erdgas und Kohle gehandelt. Diese werden über einen Spot-, Termin- und den freien OTC-Markt gehandelt. Außerdem ist sie seit 2010 die führende Auktionsplattform zur Versteigerung europäischer Emissionsrechte, welche den Fokus des Vortrags bildeten.

Mit Hilfe des EU ETS (European Union Emissions Trading System) ist es das Ziel CO2-Emittenten zur Senkung ihrer Emissionen zu bewegen und das zu möglichst niedrigen volkswirtschaftlichen Kosten. Grundlage bildet das Kyoto-Protokoll von 1997, das feste Ziele zur Senkung des Treibhausgasausstoßes in der EU bis 2012 vorsah. Dazu wurde ein sogenanntes Cap-&-Trade-System eingeführt, d.h. eine feste Vorgabe emittierbarer Treibhausgase (Cap) und anschließendem Handel mit diesen Emissionsrechten (Trade). Die Begrenzung verfolgt das Ziel ein Preissignal zu setzen und den Emittenten die Wahl zu lassen, entsprechende Emissionsrechte zu kaufen oder in emissionsreduzierende Technologien zu investieren.

Das EU ETS umfasst 27 EU-Staaten plus Norwegen, Liechtenstein und Island und bezieht sich auf Anlagen der stromerzeugenden und energieintensiven Industrien. Gehandelt werden Zertifikate (European Union Allowance, kurz EUA), die zum Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid berechtigen. Der eigentliche Handel lief dabei in 3 Perioden ab, in der ersten von 2005-2007 wurden die Zertifikate frei zugeteilt (2,15 Mrd. EUA), in der zweiten von 2008-2012 wurden bis zu 10% der EUA versteigert und der Rest wiederum kostenlos zugeteilt (insgesamt 2,08 Mrd. EUA). In der 2013 beginnenden 3. Handelsperiode werden von den 2,04 Mrd. EUA bis zu 50% mittels Auktionen vergeben, wobei die Energiewirtschaft all ihre Zertifikate ersteigern muss.

Das Problem dieses Emissionshandels besteht darin, dass seit der 2. Handelsperiode das Angebot die Nachfrage übersteigt, was zu einem fallenden preis der EUA führte. Gründe für die Fehlallokation sind geringere Emissionen in Folge der Wirtschaftskrise 2008, Import von internationalen Gutschriften (JI und CDM) sowie der technische Fortschritt der Anlagen. Der Preis der EUA erreichte so nur noch ein Niveau zwischen 10-15€ (2009-2011) und unterschreitet seit 2012 die kritische Markt von 10€ je EUA. Dadurch werden für die ANlagenbetreiber nur noch geringe ANreize gesetzt ihre Emissionen durch technologische Investitionen zu senken.

Auch für die 3. Handelsperiode wird eine deutliche Überversorgung mit Emissionszertifikaten und damit ein weiter sinkender Preis der EUA angenommen. Um den Anreiz zur Investition in emissionsreduzierende Technologien aufrecht zu erhalten, beabsichtigt die EU-Komission einen Eingriff in die Menge ausgegebener Zertifikate. So könnte das Auktionsvolumen überproportional reduziert werden (backloading), z.B. für 2013 400 Mio. weniger EUA als die vorgesehenen 2 Mrd. Andere Möglichkeiten zum Eingriff könnten darin bestehen, den jährlichen Reduktionsfaktor (aktuell 1,74%) anzupassen, weitere Industrien in den Handel mit einzubeziehen, die Menge internationaler Gutschriften zu limitieren oder eine Preisuntergrenze festzusetzen.

Nach Aussage von Herrn Löbner ist das backloading die wahrscheinlichste Variante, die Implementierung könnte jedoch erst frühestens Mitte 2013 erfolgen. Der Handel mit Emissionsrechten ist und bleibt aber die einzige Methode verlässliche Preissignale auf die Emission von Treibhausgasen zu setzen und damit eine quantitative Lenkungswirkung zu erzielen. Ein Problem besteht jedoch weiterhin in der Konjunkturabhängigkeit der realisierten Emissionen, was die Festlegung einer langfristigen Obergrenze erschwert. Der europäische Emissionshandel hat nach Meinung von Herrn Löbner eine Zukunft, wie diese aussieht ist jedoch ungewiss.

Steffen Löbner ist Mitarbeiter im Bereich Strategy & Market Development bei der European Energy Exchange AG (EEX) in Leipzig und ist dort maßgeblich für den Handel mit CO2-Emissionszertifikaten mitverantwortlich.

Videoaufzeichnung des gesamten Vortrags mit freundlicher Unterstützung des E-Learning-Service der Universität Leipzig.

„Zukunft der Photovoltaic – In Mitteldeutschland und weltweit“

vom 18.12.2012

Christian Breyer – Reiner Lemoine Institut gGmbH

Christian Breyer

In Anlehnung an den 2. Vortrag aus dieser Vortragsreihe zum Thema Peak Oil, bestätigte auch Herr Breyer das Erreichen des Produktionsmaximums bei Erdöl und die allgemeine Übernutzung der fossilen Ressourcen. Daraus ergibt sich ein ökonomischer Druck zwischen den Nationen, aber vor allem für die nachfolgenden Generationen. Die Nutzung der Sonnenenergie mittels Photovoltaic (PV) stellt hier eine nachhaltige Alternative dar, ihr Potential ist immens und es gibt weltweit kaum ein Verteilungsproblem, da Sonneneinstrahlung großteils homogen verteilt ist. Ähnlich verhält es sich mit Windenergie und beide zusammen ergänzen sich hervorragend, sowohl saisonal als auch über einen Tag hinweg. Aktuell besteht lediglich ein Mangel der nötigen Weisheit diese Energiepotentiale auszuschöpfen und richtig zu nutzen.

So herrscht auch in Leipzig eine Sonneneinstrahlung von maximal 1.000 W/m² an etwa 1.000 Stunden im Jahr vor. Gleichzeitig ist Mitteldeutschland ein guter Windstandort mit ca. 2.000 möglichen Volllastsstunden im Jahr. Aus diesem Grund hat die PV- und Windenergie in Deutschland bereits auf den Strommarkt durchgeschlagen. Vor allem die durch das EEG geförderten PV-Anlagen drücken den Großhandelspreis zu den stromintensiven Mittagsstunden, was wiederum zu neuen Preisspitzen in den Morgen- und Abendstunden führt. Mit Hilfe von Speichertechnologien wäre es möglich auch diese Preisvolatilität zu glätten.

Das weltweite ökonomisch nutzbare Potential von PV-Anlagen schätzt Herr Breyer auf ca. 3.400 GW (davon 200 GW auf deutschen Dächern). Hiervon werden bisher lediglich 100 GW (30 GW davon in Deutschland) genutzt, aber auch pessimistische Szenarien gehen davon aus, dass bis 2020 600 GW installiert sein könnten. Hier spielt nicht zuletzt Deutschland eine Vorreiterrolle, das mit dem Solarvalley-Cluster in Mitteldeutschland neue Perspektiven für Unternehmen und Forschungseinrichtungen setzt.

Im Zuge des EEG und dem damit verbundenen rapiden Ausbaus der PV-Kapazität in Deutschland, konnte allein im Zeitraum 2010-2012 ein jährlicher Preisverfall von über 30% für PV-Module (2,05 €/W 2010 ggü. 0,8 €/W 2012)und damit eine bessere Wirtschaftlichkeit erreicht werden. Der geförderte Ausbau hierzulande lockte aber auch Hersteller aus China in das profitable Feld der PV-Module. Wo jedoch das EEG in Deutschland die Nachfrage nach diesen Anlagen subventioniert, werden in China die Produktionskapazitäten staatlich unterstützt, also das Angebot. Das führte zu weltweiten Überkapazitäten in der Modulherstellung, denen deutsche privat finanzierte Unternehmen kaum standhalten können. In Folge dessen kommt es zu einer massiven Deindustrialisierung der PV-Industrie hierzulande.

Aus diesen gegenläufigen politischen Konzepten resultierte ein verborgener Wirtschaftskrieg ziwschen China und dem Rest der Welt auf dem Gebiet der PV-Module (v.a. Silizium, Wafer und Solarzellen). Dahingegen gibt es aber für Deutschland noch gute Chancen bei der Herstellung von Wechselrichtern und sehr guten Aussichten für das Handwerk und die Systemintegration von PV-Anlagen, da die Installation immer lokal erfolgt. Nach Meinung von Herrn Breyer vergibt Europa hier dennoch eine industriepolitische Chance, wie sie nur alle paar Jahrzehnte möglich ist. Und das aufgrund des eigenen Unvermögens der politischen und administrativen Stellen.

So gibt es Modellrechnungen, die eine 100% erneuerbare Energieversorgung unter wirtschaftlichen Aspekten für möglich halten (Herr Breyer verwies hier auf die Studie zum Allgäu Case). Hauptträger einer solchen Vollversorgung sind PV und Wind, in Kombination mit neuen Speichertechnologien, die regenerative Biomasse spielt in einem solchen Szenario eher eine untergeordnetere Rolle. Damit stellen PV-Anwendungen auch zukünftig eine wesentliche Säule der Energieversorgung dar, will man die fossilen Energieträger weiter zurückdrängen. Und auch für andere Industrien, wie z.B. die Automobilindustrie, bestehen in der Nutzung der Sonnenenergie vielfältige Potentiale, die zudem neue profitable Geschäftsfelder ermöglichen.

Christian Breyer ist Geschäftsführer am Reiner Lemoine Institut gGmbH in Berlin, zuvor war er in leitender Position großer Photovoltaik-Unternehmen tätig. Ziel des Reiner Lemoine Instituts ist es, die Prozesse zur langfristigen Umstellung der Energieversorgung auf 100% erneuerbare Energien wissenschaftlich zu unterstützen.

Videoaufzeichnung des gesamten Vortrags mit freundlicher Unterstützung des E-Learning-Service der Universität Leipzig.

„Netzausbau im Spannungsfeld zwischen Notwendigkeit und Bürgerbeteiligung“

vom 08.01.2013

Wolfgang Neldner – Neldner Consult

Wolfgang Neldner

Eine Zusammenfassung des Vortrags folgt in den nächsten Tagen.

Videoaufzeichnung des gesamten Vortrags mit freundlicher Unterstützung des E-Learning-Service der Universität Leipzig.

„Herausforderung Elektromobilität“

vom 22.01.2013

Prof. Dr. Helmut Schramm – BMW AG Werk Leipzig

Prof. Dr. Helmut Schramm

Eine Zusammenfassung des Vortrags folgt in den nächsten Tagen.

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